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Was für ein ärgerliches, peinliches Buch: Emmanuel Todd betreibt in Traurige Moderne Geschichtsklitterung

In Europa, Geschichte on Oktober 10, 2019 at 9:35 pm

Was für ein peinliches, ärgerliches Buch! Mich wundert, dass es bei C.H. Beck erscheinen konnte. Emmanuel Todd, der französische Soziologe, legt eine krude, verschwörerische, europafeindliche Studie vor, in der er die letzten hundertausend Jahre Menschheitsgeschichte „von der Steinzeit bis zum Homo Americanus“ in ein seltsames Konstrukt der Familiestrukturen presst. Sie sollen „der unbewusste Motor der Geschichte“ sein.
Das ist kein „luzides Buch“, wie der Verlag schreibt, das ist auch nicht „überzeugend und immer anregend“, wie der Figaro meint. Das ist Humbug.
Da werden die Orbans und die Trumps und die Brexiteers gelobt, und die Deutschen als Träger einer wie auch immer gearteten Stammfamilie „mit Unterstützung eines Zombie-Katholizismus“ als faktische Beherrscher eines sich selbst überschätzenden Europas diskreditiert. Da werden kruden Theorien von einem „spezifischen Volk“ aufgetischt. Donald Trump wird als „Wille und Vorstellung“ des amerikanischen Volkes hochstilisiert.
Und schließlich versteigt sich Todd zu der klassischen Behauptung rechter Verschwörungstheoretiker, die Vernichtung der Juden sei nicht singulär: „Als Erstes sollte endlich die Ansicht verworfen werden, die Vernichtung von sechs Millionen Juden sei ein spezifisch deutsches Phänomen udn sonst nirgendwo in Europa vorstellbar“. Ian Kershaw, einer der besten Kenner des nationalsozialismus, wird der „Negation unbezweifelbarer empirischer Tatsachen“ beschuldigt. Für mich unfassbar ist die Behauptung: „Verweigert wird die Anerkennung der hohen, fast übermenschlichen militärischen Leistungsfähigkeit [Deutschlands] in zwei Weltkriegen.“
Dieses Buch ist Mist. Deterministischer Quark.
Feiner drückt es Marko Martin (Eliten-Bashing im elitären Duktus“) aus:
„Die permanenten Seitenhiebe auf „Academia“, eine angeblich herrschende Kaste arroganter Hochschul-Eliten, und der Beifall für Donald Trumps National-Protektionismus machen sein Buch, das bei weniger Seitenumfang und weniger Rechthaberei gewiss inspirierend hätte sein können, zusätzlich fragwürdig.
„Traurige Moderne“ ist eines jener traurigen Beispiele für ein verschwörungstheoretisches, in elitärem Duktus vorgetragenes Eliten-Bashing, das kokett nach beiden Seiten schielt: Nach rechtsaußen ebenso wie nach linksaußen.“

Dr. Armin König